Deep-Tech-Startups sterben weiterhin nach dem Labor – hier scheitert die Kommerzialisierung tatsächlich

Die Finanzierungslandschaft für Deep Tech im Jahr 2026 macht es dringlicher denn je, diese Kluft zu verstehen. Laut PitchBook erreichten die weltweiten VC-Investitionen in Deep Tech im Jahr 2025 rund 120 Milliarden US-Dollar, gegenüber 88 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022. Mehr Kapital fließt in Deep Tech als jemals zuvor in der Geschichte des Sektors, angetrieben vor allem durch Staatsfonds, Rüstungstechnologiemandate und die Notwendigkeit der Dekarbonisierung. Doch Kapital löst das Kommerzialisierungsproblem nicht – in manchen Fällen verzögert es sogar die Auseinandersetzung damit. Die Unternehmen, die den Übergang vom Labor zum Markt erfolgreich meistern, gehen einige Dinge gezielt anders an als jene, die scheitern.
Die vier Scheitermuster zwischen Labor und Markt
Misserfolge bei der Kommerzialisierung von Deep Tech lassen sich auf vier identifizierbare Probleme zurückführen, selten nur auf eines:
1. Die Fertigungsreife wird als technisches Problem behandelt, nicht als betriebswirtschaftliches. Viele Deep-Tech-Gründer kommen aus der Forschung, wo „wir können es funktionieren lassen“ als Maßstab für Erfolg gilt. Die Produktion im großen Maßstab bringt Variablen mit sich, die die Forschung nie kennt: Ausbeuteraten, Lieferkettenengpässe, Investitionskosten für Ausrüstung und die verstärkende Wirkung kleiner Ineffizienzen bei großen Stückzahlen. Ein Material, das im Labormaßstab 200 Dollar pro Gramm kostet, muss im kommerziellen Maßstab vielleicht 0,50 Dollar pro Gramm kosten – eine Reduzierung, die nicht nur bessere Chemie erfordert, sondern völlig andere Produktionsprozesse, Ausrüstungsinvestitionen und Lieferantenbeziehungen.
2. Die tatsächliche Kostenstruktur des Kunden wird nicht früh genug verstanden. Deep-Tech-Gründer vergleichen ihr Produkt häufig mit einer technischen Alternative (der Technologie, die ihr Produkt ersetzt) anstatt mit der gesamten Kostenstruktur des Kunden. Eine bessere Batteriechemie, die die Zellkosten um 15 % senkt, klingt vielversprechend – bis man erkennt, dass Zellen 40 % der Kosten eines Batteriepakets ausmachen, das Paket wiederum 30 % des Produktpreises, und dass die Gesamtbetriebskosten des Kunden von Installation, Garantie und Software dominiert werden – Bereiche, die das Startup nicht adressiert. Die durch die technische Verbesserung erreichbaren Einsparungen sind möglicherweise nur halb so hoch, wie die Präsentation des Gründers zeigt.