EU bereitet Rekordstrafe gegen Google nach Digital Markets Act vor – und Googles Abhilfemaßnahmen haben nicht gefruchtet

Die Europäische Union bereitet eine Strafe gegen Google vor, die nach dem Digital Markets Act die höchste je verhängte sein soll. Das berichtet die deutsche Zeitung Handelsblatt am Dienstag. Die Strafe soll sich auf mehrere hundert Millionen Euro belaufen und könnte noch vor der Sommerpause der EU-Kommission Ende Juli verkündet werden.
Betroffen ist Alphabets Tochtergesellschaft Google. Die Regulierer werfen dem Konzern Verstöße auf zwei seiner wichtigsten Plattformen vor: Google Search und Google Play. Laut den Ermittlungen bevorzugt Google Search systematisch eigene Dienste wie Google Shopping, Google Flights und Google Hotels – und benachteiligt damit konkurrierende Vergleichsplattformen von Drittanbietern. Google Play wiederum schränke Entwickler angeblich darin ein, Nutzer auf alternative Bezahlwege oder Plattformen außerhalb von Googles System zu lenken.
Zwei Jahre Ermittlungen: Die Geduld geht zu Ende
Die EU-Kommission hatte ihre formelle DMA-Untersuchung gegen Alphabet im März 2024 eingeleitet. Ein Jahr später, im März 2025, legte sie vorläufige Ergebnisse vor, die auf eine Nicht-Einhaltung hindeuteten. Google bekam daraufhin die Gelegenheit, mit eigenen Abhilfemaßnahmen zu reagieren, bevor die Kommission auf ein formelles Verfahren wegen Verstoßes umschaltet.
Anfang Mai – genauer am 8. Mai – gewährte die EU Google zusätzliche Zeit, um robustere Vorschläge zu erarbeiten. Das ist eine Zugeständnis, das Regulierer manchmal machen, bevor sie endgültige Durchsetzungsmaßnahmen ergreifen. Doch laut dem Handelsblatt-Bericht haben Googles Vorschläge Brüssel immer noch nicht überzeugt. Die endgültige Entscheidung liegt Berichten zufolge bei Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die jede Strafe dieser Größenordnung absegnen muss.
Falls die Strafe in der genannten Höhe verhängt wird, übertrifft sie alle bisherigen DMA-Strafen bei Weitem und setzt ein wichtiges Zeichen dafür, wie aggressiv die EU die Verordnung gegen die größten Tech-Plattformen durchsetzen will.
Googles Verteidigung: Die Maßnahmen schaden den Nutzern
Google hat die Darstellung der EU-Kommission, dass seine Suchpraktiken wettbewerbswidrig seien, stets bestritten. In einer Stellungnahme gegenüber Reuters bezeichnete ein Google-Sprecher die bereits vorgenommenen Änderungen zur Einhaltung der DMA als „die größte Verschlechterung in der Geschichte des Produkts“. Europäische Nutzer bekämen eine schlechtere Sucherfahrung, während Wettbewerber profitierten. Das Unternehmen hat angekündigt, gegen jede Strafe vor dem EU-Gericht vorzugehen.
Der Konflikt zeigt einen grundlegenden Dissens darüber, was „Neutralität“ bei der Suche bedeutet. Google argumentiert, dass die Einblendung eigener Ergebnisse für Flug- oder Produktsuchen oft schneller und integrierter sei. Die EU-Kommission hingegen ist der Ansicht, dass diese Integration Wettbewerbern wie Skyscanner, Booking.com oder Idealo die Chance nehme, sich auf Basis ihrer eigenen Leistung zu behaupten – unabhängig von der Qualität der Nutzererfahrung.
Was die DMA erlaubt
Im Unterschied zum älteren EU-Kartellrecht, das langwierige Missbrauchsermittlungen erforderte, stuft die DMA bestimmte große Plattformen als „Gatekeeper“ ein und verhängt von vornherein bestimmte Verhaltensauflagen. Verfahren wegen Nichteinhaltung können deutlich schneller ablaufen als traditionelle Kartellfälle.
Nach den DMA-Regeln können Strafen für Verstöße bis zu 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens betragen, bei wiederholten Verstößen sogar bis zu 20 Prozent. Alphabets weltweiter Umsatz lag 2025 bei über 380 Milliarden Dollar, die theoretische Höchststrafe läge also bei über 38 Milliarden Dollar. Die genannten Beträge – mehrere hundert Millionen Euro – sind ein Bruchteil dieser Obergrenze. Das deutet darauf hin, dass die Regulierer die erste Strafe eher kalibrieren als maximale Abschreckung anstreben.
Die EU-Kommission hat zudem DMA-Untersuchungen gegen Apple, Meta und TikTok eingeleitet. Der Google-Fall ist jedoch am weitesten fortgeschritten, sowohl zeitlich als auch in der Bereitschaft zur Durchsetzung. Wie die Google-Strafe ausfällt – und ob sie tatsächlich zu Verhaltensänderungen führt oder nur zu Klagen – wird den Ton für die gesamte DMA-Durchsetzung im gesamten Gatekeeper-Ökosystem setzen.