Florida verklagt OpenAI und Sam Altman wegen Sicherheitsmängeln bei ChatGPT – als erster US-Bundesstaat

Generalstaatsanwalt James Uthmeier aus Florida reichte am 1. Juni 2026 eine 83-seitige Zivilklage gegen OpenAI und CEO Sam Altman ein. Damit ist Florida der erste US-Bundesstaat, der ein KI-Unternehmen wegen Sicherheitsmängeln bei ChatGPT zivilrechtlich belangt.
Die Klage wirft OpenAI vor, ChatGPT wissentlich und aggressiv an die Öffentlichkeit – auch an Kinder – vermarktet, dabei jedoch ernste Risiken verschwiegen und interne Sicherheitswarnungen unterdrückt zu haben.
Was die Klage behauptet
Die beim Gericht des Highlands County eingereichte Klage erhebt vier zentrale Vorwürfe gegen OpenAI und Altman persönlich:
- Unlautere und irreführende Geschäftspraktiken nach dem Florida FDUTPA, da ChatGPT als sicher dargestellt wurde, während bekannte Risiken verschwiegen wurden.
- Grobe Fahrlässigkeit, weil wiederholte Warnungen von Experten zu möglicher Selbstgefährdung und Gewalt ignoriert wurden.
- Verstöße gegen COPPA, da ChatGPT ohne angemessene elterliche Aufsicht Daten von Minderjährigen sammelte.
- Öffentliches Ärgernis (Public Nuisance), da ChatGPT bei Teenagern Verhaltensabhängigkeit und kognitive Schäden begünstigt habe.
Die Klage macht auch CEO Sam Altman persönlich haftbar und fordert nicht näher bezifferten Schadenersatz im Namen aller Einwohner Floridas.
Der Zusammenhang mit dem FSU-Amoklauf
Im Zentrum der Klage steht die mutmaßliche Rolle von ChatGPT beim Amoklauf an der Florida State University im April 2025, bei dem zwei Menschen starben und sieben verletzt wurden. Die Staatsanwaltschaft gibt an, der Täter Phoenix Ikner habe ChatGPT zur Planung der Tat genutzt – er fragte den Chatbot nach optimalem Zeitpunkt, Orten und Waffen für möglichst viele Opfer.
Das Florida Office of Statewide Prosecution hatte bereits im April 2026 ein separates strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen OpenAI im Zusammenhang mit dem FSU-Amoklauf eingeleitet. Die Zivilklage ist zwar unabhängig davon, baut aber auf demselben Sachverhalt auf.
Weitere Sicherheitsvorwürfe
Über den FSU-Amoklauf hinaus nennt die Klage ein Muster dokumentierter Schäden, die OpenAI angeblich aktiv unterdrückt habe: den Suizid einer 15-Jährigen aus Kalifornien im Jahr 2025, zu dem ChatGPT laut Familie ermutigt habe; schädliche medizinische Informationen und Anleitungen zur Selbstverletzung, die verletzlichen Nutzern gegeben wurden; sowie Anwälte im ganzen Land, die von Gerichten sanktioniert wurden, nachdem ChatGPT erfundene Gerichtsurteile als echt ausgegeben hatte.
Generalstaatsanwalt Uthmeier sagte: „Menschen werden verletzt, Eltern werden getäuscht – und dafür müssen sie bezahlen. Sie müssen bezahlen, indem sie ihr Scheckbuch öffnen und das Programm so ändern, dass es Kindersicherungen gibt und unsere Kinder nicht gefährdet werden.“
Was das für OpenAI und die Branche bedeutet
OpenAI, das angibt, ChatGPT werde mittlerweile von über 900 Millionen Menschen pro Woche genutzt, reagierte auf Anfragen zunächst nicht. Das Unternehmen hatte zuvor auf aktualisierte Kindersicherungen verwiesen, die es in diesem Jahr eingeführt habe, um sein Engagement für Sicherheit zu belegen.
Die Klage aus Florida ist die erste zivilrechtliche Klage auf Bundesstaatenebene gegen OpenAI, wird aber vermutlich nicht die letzte bleiben. Uthmeier sagte ausdrücklich voraus, dass andere Bundesstaaten folgen würden. Für die KI-Branche bedeutet der Rechtsstreit ein sich verschärfendes regulatorisches Umfeld: Verbraucherschutzgesetze auf Bundesstaatenebene könnten Modellentwickler künftig in erheblichem Umfang für Schäden haftbar machen, die durch die Nutzung ihrer Modelle entstehen. Die Klage aus Florida könnte damit zur Blaupause für KI-Haftungsklagen im ganzen Land werden.
Originally reported by Florida Attorney General Office / Courthouse News. Read the original article for additional details.
View original source